Lebensgefahr

nach Pool Ausbildung - 3,8 Meter

Das auch ein "normaler Tauchgang" unter kontrollierten Bedingungen im Pool schnell zu einer lebensbedrohlichen Situation werden kann, zeigt ein aktueller Fall.
Gegen 7 Uhr ging in der zuständigen Rettungsleitstelle der Notruf unter der Notrufnummer 112 ein. Am Telefon Marcel*. Während der Notrufabfrage ergab sich ein 38-jähriger Patient, der über Kreislaufprobleme und Luftnot klagte. Der zuständige Einsatzsachbearbeiter entsendete einen Rettungstransportwagen (RTW) zur Einsatzstelle. Vor Ort bestätigte sich für die beiden Notfallsanitäter das gemeldete Bild. Die Beschreibung durch den Patienten ließ sehr schnell auf einen Tauchunfall schließen.

Was war passiert?

 

Marcel* hatte, nach eigener Aussage, am Vormittag des Vortages seinen letzten Tauchgang (Prüfungstauchgang) in der zurückliegenden Poolausbildung. Bis zu diesem Tauchgang sei immer alles ohne Probleme abgelaufen.

 

Beim letzten Tauchgang aber war es zu einem raschen Aufstieg aus einer Tiefe von 3,80 Meter gekommen. Hierbei wurde mutmaßlich das Ausatmen vergessen so das es zu einer Überblähung der Lunge kam. Kurze Zeit nach dem Aufstieg und nach dem Ende des Tauchgangs stellten sich die ersten Schmerzen im Brustkorb ein.
Der betreuende Tauchlehrer verwies auf mögliche Muskelverspannungen, die zu den Problemen führte. Entgegen der erwarteten Zustandsbesserung verschlechterte sich dieser zunehmend und rasant. Am Morgen des Folgetages war die Zustandsverschlechterung so akut, dass der Patient den Notruf absetzte.

 

Der Patient wurde, laut RTW, atemnötig und schweißig vorgefunden. Erhobene Werte sowie die Vorgeschichte führten zur Alarmierung des zuständigen Notarztes. Zur ersten klinischen Diagnose wurde der Patient ins zuständige, nächstgelegene Krankenhaus transportiert.

Röntgen Thorax mit freistehender Flüssigkeit links

Kontrollröntgen nach Thoraxpunktion


Im ersten Röntgen der Lunge zeigte sich eine massive Flüssigkeitsansammlung in der linken unteren Lunge. Im Röntgenbild ist dieser Teil der Lunge nicht mehr als solche zu erkennen. Der behandelnde Chirurg punktierte die Lunge und führte etwa 900 Milliliter frei stehendes Blut ab.

 

Zur weiteren Versorgung wurde der Patient in die nächste Schwerpunktklinik transportiert. Während des Transportes wurden weitere 600 Milliliter Blut abgeführt. Der Patienten befindet sich, nach unseren Informationen, auf dem Weg der Besserung.

 

 

Ein kurzes Statement vom Fachmann

 

Kurz nach dem Rettungseinsatz konnten wir einen Fachmann zum vorliegenden Fall befragen. Dr. Torsten Reinhold wies ausdrücklich auf die akute Lebensgefahr, in der sich der Patient befand, hin.

Schmerzen im Bereich der Lunge sollten niemals auf die leichte Schulter genommen werden. Eine Überblähung kann, wie im vorliegenden Fall, auch in einer geringen Tiefe auftreten. Spätestens bei einer Zustandsverschlechterung MUSS der Facharzt, zumindest aber der Hausarzt oder im Akutfall die Rettungsstelle, aufgesucht werden, um lebensbedrohliche Zustände zu vermeiden und Spätfolgen abzumildern.

Dr. Torsten Reinhold - Tauchlehrer, Tauchmediziner, Notarzt und ärztlicher Leiter des Landkreises Oberhavel


Unser Artikel soll weder die Fachlichkeit der unfreiwilligen Teilnehmer infrage stellen noch eine Schuld beim Tauchlehrer oder seinem Schüler suchen. Er soll einfach für das Thema Tauchunfall sensibilisieren.

 

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*Name geändert